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YouTube vor dem EU-Haftungstest: Glücksspiel-Werbung und die Frage der Plattformverantwortung

YouTube steht erneut im Zentrum einer Debatte über Verantwortung im digitalen Raum. Die Plattform sieht sich traditionell als neutraler Hosting-Dienst, gerät jedoch zunehmend unter Druck, weil nutzergenerierte Inhalte mit Glücksspielwerbung verstärkt die Aufmerksamkeit europäischer Regulierungsbehörden auf sich ziehen.

YouTube und Glücksspiel-Werbung

Neuer EU-Streitfall stellt Plattformneutralität auf die Probe

Im Kern geht es um die Frage, an welchem Punkt das reine Bereitstellen einer technischen Infrastruktur endet und ab wann eine Plattform aktiv an der Verbreitung rechtlich sensibler Inhalte beteiligt ist. Ein aktueller Fall aus Italien veranschaulicht diese Herausforderung besonders deutlich. Ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof, das sich auf die Vorgaben der E-Commerce-Richtlinie stützt, könnte die Grenzen der Plattformhaftung neu definieren und die rechtlichen Rahmenbedingungen in der gesamten EU nachhaltig beeinflussen.

Der Auslöser

Die italienische Medienaufsicht AGCOM verhängte 750.000 Euro Strafe gegen Google wegen YouTube-Videos, die das nationale Glücksspiel-Werbeverbot von 2018 missachteten. AGCOM argumentierte, Google sei über das Partnerprogramm wirtschaftlich beteiligt und damit nicht mehr neutraler Host. Die zentrale Frage: Macht die Einnahmepartnerschaft YouTube zu einem aktiven Akteur?

Der Konflikt zwischen Hosting und aktiver Verbreitung

Der Fall verdeutlicht die regulatorische Grauzone, in der digitale Plattformen innerhalb Europas operieren. Millionen Creator laden täglich Inhalte hoch, darunter auch Promo-Codes, Links und Werbevideos zu nicht-lizenzierten Glücksspielseiten. Behörden kritisieren, dass YouTube trotz technischer Neutralität wirtschaftlich von solchen Inhalten profitiert und dadurch eine Mitverantwortung trägt.

Der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof, Maciej Szpunar, musste diese komplexe Lage rechtlich einordnen. Seine Stellungnahme bringt nun mehr Klarheit, insbesondere mit Blick darauf, wie das EU-Recht die Rolle und Verantwortung von Hosting-Plattformen definiert.

Die juristische Gratwanderung

Generalanwalt Szpunar stellt klar: YouTube behält seinen Haftungsschutz nur, wenn es neutral und passiv bleibt. Aktiv verliert die Plattform Immunität, sobald sie Werbung steuert, gestaltet oder fördert. Die bloße Einnahmebeteiligung am Partnerprogramm reicht jedoch nicht aus, um YouTube als Herausgeber einzustufen.

Warum Glücksspielwerbung ein Sonderfall ist

Die Entscheidung berührt einen sensiblen Bereich. Glücksspiel zählt in der EU nicht zu den Dienstleistungen, die automatisch unter das Country-of-Origin-Prinzip fallen. Staaten dürfen deshalb restriktive nationale Verbote erlassen, unabhängig davon, wo die Plattform ihren Sitz hat. Für die Nutzer stellt sich dadurch häufig die Frage, ab wann ein Online-Casino legal ist und welche Regeln im jeweiligen Land gelten.

Doch die zentrale Hürde bleibt der Nachweis aktiver Beteiligung. Das Gutachten stärkt die Position der Plattformen, indem es die Latte für den Verlust der Immunität bewusst hoch ansetzt.

Sollte der EuGH dem Gutachten folgen, müssen Regulierer wie die GGL künftig konkret nachweisen, dass YouTube, TikTok oder Twitch aktiv an illegaler Glücksspielwerbung beteiligt waren.

Was das Urteil für den deutschsprachigen Raum bedeuten könnte

Für den DACH-Raum wäre das Urteil eine Weichenstellung. Deutschland, Österreich und die Schweiz verfolgen seit Jahren strenge Regeln zur Glücksspielkommunikation. Insbesondere die deutsche Glücksspielbehörde GGL arbeitet verstärkt daran, illegale Werbung in sozialen Medien einzudämmen.

Ein EuGH-Urteil zugunsten der Plattformimmunität würde die Möglichkeiten der Regulierer einschränken. Nationale Verbote bleiben zwar zulässig, ihre praktische Durchsetzung hingegen würde schwieriger. Plattformen könnten sich weiterhin auf die Neutralität des Hostings berufen, solange ihnen keine aktive Rolle nachgewiesen wird.

Fazit: Neutralität bleibt das entscheidende Kriterium

Der Fall zeigt, wie sensibel das Verhältnis zwischen Plattformfreiheit und Verbraucherschutz ist. Entscheidend bleibt die Neutralität. Nur wenn Plattformen aktiv in Inhalte eingreifen, verlieren sie ihren Schutz. Das EuGH-Urteil dürfte weitreichende Folgen für die digitale Werbelandschaft im DACH-Raum haben.

Thomas Kellner - Casino Experte

Thomas Kellner

Casino Experte

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Ich bin Thomas und seit über 20 Jahren in der Casino-Branche tätig. Genauigkeit, Qualität und Transparenz sind mir besonders wichtig, besonders, wenn es um Online-Casinos geht. Durch meine Erfahrung im Glücksspiel und in der Redaktion sorge ich dafür, dass Inhalte verständlich, präzise und gut recherchiert sind. Bei CasinoTopsOnline bin ich für Testberichte und Neuigkeiten aus der Glücksspielwelt verantwortlich. Da sich die Branche ständig verändert, gibt es immer wieder Neues zu entdecken!

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