Schweizer Krypto-Steuergesetz CARF verzögert sich – interne Blockade bremst Umsetzung
Die Schweiz gilt seit Jahren als globaler Knotenpunkt für Finanztechnologien und digitale Vermögenswerte. Mit dem weltweiten Vormarsch des Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) der OECD steigt der internationale Druck, auch im Kryptobereich Steuertransparenz sicherzustellen. Zwar soll das Schweizer CARF-Gesetz wie geplant Anfang 2026 in Kraft treten, doch die tatsächliche Umsetzung verschiebt sich nun mindestens auf 2027.
Der entscheidende Grund liegt weniger in technischen oder regulatorischen Schwierigkeiten als in der innenpolitischen Verzögerung. Der Nationalrat, insbesondere die Staatspolitische Kommission (ETAC), hat die Beratungen darüber ausgesetzt, mit welchen Partnerstaaten die Schweiz künftig Crypto-Daten automatisch austauschen soll. Ohne diesen Grundentscheid kann der Bundesrat den AEOI nicht aktivieren, wodurch der internationale Zeitplan ins Wanken geraten wäre.

Anpassungen der AEOI-Verordnung betreffen Schweizer Krypto-Anbieter direkt
Parallel zur politischen Verzögerung arbeitet der Bundesrat jedoch an der Feinjustierung der nationalen AEOI-Verordnung. Diese Änderungen betreffen vor allem Schweizer Krypto-Dienstleister und deren Pflichten im Rahmen des künftigen CARF-Standards.
Konkret sollen Berichtspflichten, Sorgfaltspflichten sowie die Registrierungspflichten neu gefasst werden. Damit wird festgelegt, welche Unternehmen unter den Schweizer CARF-Anwendungsbereich fallen und wie deren Nexus zur Schweiz definiert wird. Für viele Anbieter bedeutet dies, dass sie künftig detailliert erfassen müssen, welche Nutzer steuerlich relevant sind und welche Transaktionen meldepflichtig werden.
Wesentlich ist zudem die Einbeziehung bestimmter Stiftungen und Vereine, die digitale Vermögenswerte verwalten oder in Ökosystemen wie DAOs aktiv sind. Während solche Strukturen bisher teils außerhalb klassischer Finanzregulierung agierten, sollen sie nun klar in die AEOI-Logik integriert werden. Dadurch will der Gesetzgeber vermeiden, dass komplexe Non-Profit- oder Token-Modelle als regulatorische Schlupflöcher genutzt werden, ähnlich wie es beim illegalen Glücksspiel in der EU zu beobachten ist.
Die geänderte AEOI-Verordnung verschärft die Regeln für Schweizer Krypto-Dienstleister. Sie präzisiert die Berichts-, Sorgfalts- und Registrierungspflichten sowie den geschäftlichen Bezug zur Schweiz. Die Anbieter müssen mehr Daten erfassen, Kunden genauer prüfen und sich offiziell registrieren, was den Compliance-Aufwand spürbar erhöht.
Internationale Einordnung: Zeitgleiche Verzögerung in großen Märkten
Obwohl der Schweizer Fokus auf den internen politischen Blockaden liegt, zeigt der Blick ins Ausland, dass die Verzögerung Teil einer internationalen Entwicklung ist. Auch die USA und das Vereinigte Königreich wollen den CARF-Standard erst bis 2027 vollständig einführen. Diese parallele Zeitplanung macht deutlich, wie anspruchsvoll es ist, ein global abgestimmtes Krypto-Meldewesen aufzubauen.
Für die Schweiz bedeutet dies, dass der neue Zeitplan nicht aus dem Rahmen fällt. Dennoch bleibt es wichtig, dass die Entscheidung über die künftigen CARF-Partnerstaaten bald getroffen wird, damit die Schweizer Finanz- und Kryptoindustrie verlässlich planen kann.
In einem Markt, in dem strukturierte Regeln ein zentraler Standortvorteil sind, ist Transparenz entscheidend. Beispiele aus anderen Bereichen, etwa dem Konzept des verantwortungsvollen Spielens, zeigen, wie wichtig klare Leitlinien für sichere Märkte sind. Verzögerungen im politischen Prozess könnten daher Wettbewerbsnachteile bringen.

Fazit
Das CARF-Gesetz tritt 2026 in Kraft, doch erst ab 2027 soll der Austausch von Krypto-Steuerdaten beginnen, sofern der Nationalrat die blockierten Beratungen wieder aufnimmt. Für Schweizer Krypto-Dienstleister stehen bereits jetzt substanzielle Anpassungen bevor, insbesondere durch die erweiterten Pflichten in der AEOI-Verordnung. Wie schnell die Schweiz am globalen CARF-Fahrplan anschließen kann, hängt damit primär von den nächsten politischen Weichenstellungen ab.
Die Verzögerung schafft Unsicherheit, gibt der Branche jedoch wertvolle Vorbereitungszeit. Schweizer Anbieter müssen neue Pflichten umsetzen, bevor CARF international greift. Der politische Stillstand birgt Reputationsrisiken, doch ein geordneter Übergang könnte langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und regulatorische Glaubwürdigkeit stärken.