Schweizer Referendum stoppt ausländische Online Casinos

Veröffentlicht am 20.June.2018 in Industrie News

Schweiz, Glücksspiel

Mit einer großen drei Viertel Mehrheit haben die Schweizer einem neuen Glücksspielentwurf zugestimmt, welcher nicht nur den ausländischen Online Casinos zum Verhängnis wird, sondern der Zensur des Internets alle Türen und Tore sperrangelweit öffnet. Vor der Wahl hatte die Schweizer Glücksspiel Lobby viele Gelder in die Werbekampagne für dieses neue Gesetz gesteckt, was unter einem einer der Gründe für dieses deutliche Ergebnis ist.
 

Um was ging es beim Schweizer Glücksspiel Referendum

Eines der Probleme beim alten Glücksspielgesetz der Eidgenossen war, dass es kein Wort zur Regulierung von Online Glücksspiel enthielt. Dass dieser Markt in irgendeiner Art und Weise kontrolliert werden muss steht außer Frage. In der Europäischen Union macht das eben die EU, welche nach strengen Gesetzten durch ihre Verwaltungs- und Kontrollorgane sicherstellt, dass alles in gut geregelten Bahnen abläuft. Da die Schweiz bekanntlich nicht der EU angehört benötigt man logischerweise eine eigene Regelung. 

Wer jetzt denkt, dass sowas in dem als liberal geltenden Land einfach sein sollte, hat die Rechnung jedoch ohne den Wirt gemacht. In der Schweiz gibt es wir in Deutschland eine staatliche Glücksspiel Lobby, welche alles im Vorfeld des Referendums daran gesetzt hat die europäischen Betreiber von Online Casinos sowie die internationalen Sportwettenanbieter als das im Internet personifizierte Böse darzustellen. Dabei sind die Malta Gaming Authority aber auch die UK Gambling Commission für ihre harten Auflagen bekannt, welche alle für die Vergabe einer Glücksspiel Lizenz erfüllt werden müssen

Der Hauptgrund dieser Darstellung wurde natürlich verschwiegen. So werden die Lotto Lizenzen in der Schweiz von den Kantonen vergeben und die örtlichen Betreiber fürchten Einbußen, wenn internationale Betreiber ihre Spiele Online anbieten und damit in der Regel niedrigere Gebühren verlangen und teilweise auch erheblich höhere Auszahlungsquoten besitzen.
So argumentierten die Lobbyisten erfolgreich, dass die internationalen Anbieter keine Abgaben zahlen und dem Staat somit viele Millionen Einnahmen verloren gehen würden. Dass bei einer vom Staat beauftragten Studie klar herausgekommen ist, dass der Haushalt bei einer entsprechenden Gesetzeslage sogar von den internationalen Anbietern profitieren würde konnte die Glücksspiel Lobby erfolgreich unter den Tisch kehren. 

 

Spielerschutz und Verantwortliches Spielen

Als zweites großes Argument wurde natürlich der Jugend- und Spielerschutz ins Spiel gebracht. Wie gut hierbei die Überzeugungsarbeit der Befürworter und Lobbyisten funktionierte sieht man alleine daran, dass genau dieser Jugend- und Spielerschutz für Onlinespiele in der Schweiz gar nicht existiert. Es gibt keine gesetzlichen Regelungen zum Online Glücksspiel. Bei den Werbekampagnen wurde auch kein Wort darüber verloren wie das verantwortliche Spielen und der Spielerschutz national umgesetzt werden soll. Es wurde nur kräftig dafür Propaganda gemacht, wie schlecht die internationalen Anbieter dieses Thema handhaben, aber nicht gesagt wie man es selbst besser machen kann. 

Eigentlich bleibt den Gesetzesgebern nichts weiter übrig als sich die internationalen Richtlinien zum Vorbild zu nehmen, etwas anders zu formulieren und anzupassen um diese danach als das „Beste seit den Löchern im Käse“ der Bevölkerung zu präsentieren. 

 

Neues Glücksspiel Gesetz ist Zensur des Internets

Das neue Glücksspielgesetz in der Schweiz bringt aber noch ganz andere Probleme mit sich. Die eidgenössischen Internet Anbieter werden in Zukunft die internationalen Casinoseiten blockieren um somit den Schweizer (nicht mehr ganz so freien) Bürgern den Zugang zu diesen Seiten zu verwehren. Dass es sich hierbei ganz klar um einen Einschnitt in die Freiheitsrechte jedes einzelnen Bürgers handelt steht außer Frage. Diese Zensur öffnet Tür und Tor für andere Industrien. 

So könnte das als ein Präzedenzfall werden. So könnte der Schweizer Hotelverband „Hotelleriesuisse“ doch plötzlich auch au die Idee kommen, dass die internationalen Unternehmen wie booking.com oder airbnb nicht mehr in der Schweiz willkommen sind und nur noch Schweizer Unternehmen Online Hotels anbieten dürfen. Die Zensur der Online Casinos bildet hierfür die perfekte Grundlage. Und dass die Schweizer Hotel und Gastrolobby ohne Frage genauso gewichtig ist wie die Kollegen vom Lotto steht wohl außer Frage.

Dass es auch vernünftige Lösungen geben kann hat ausgerechnet Italien gezeigt. Hier wurde erst kürzlich das Bewerbungsverfahren für internationale Casinobetreiber eröffnet. Alleine die Bewerbungen spülen Millionen Euro in die Staatskassen, von den zukünftigen Einnahmen, welche zusätzlich zu den staatlichen italienischen Lotterien, kreiert werden wollen wir gar nicht erst reden.